Aussagen von PPW

Die folgenden Aussagen zu sich selbst, Literatur im Allgemeinen sowie zu Politik und Gesellschaft
sind Zitate aus Briefen, Essays, Vorträgen und Reden

PPW zu sich und seiner Literatur:

Ich schreibe gegen das Vergessen und für das Sicherinnern: ich schreibe – auch – damit gesellschaftliches Bewußtsein entsteht und sich artikuliert. Ich schreibe in Ohnmacht gegen die Macht und den Machtmißbrauch an, gegen die Bagatellisierung der daraus entstehenden Gewalt und Verbrechen. (1992)

Mir geht es als Schriftsteller und Dichter darum, den brennenden, aktuellen Fragen nicht auszuweichen, sondern mich ihnen zu stellen, sie aufzuzeigen; sie nicht aus und von der Literatur fernzuhalten, sondern mich damit auseinanderzusetzen. (1994)

Das Alter macht milde, sagt man; mich nicht, ich will das auch nicht. Ich will scharf bleiben, wach, reaktionsfähig. (1997)

Es war immer das „Trotzdem“, das meinen Lebensweg ausgezeichnet hat; nie der Rückenwind, der mich vorwärts geblasen hätte, sondern immer die eigene gesammelte Kraft. (2003)

Ich war nie ein Mitgänger, schon gar kein Mitläufer. Ich war immer ein Außenseiter, ein Grenzgänger, ein Individualist; dies aus freier Entscheidung und so gewollt. (2004)

Die Lyrik ist meine ureigenste Domäne. Das habe ich ein Leben lang gelernt, da bin ich zu Hause, da bin ich (mir) sicher. Nirgendwo kann man so viel mit so wenigen Wörtern und mit so geringem (aber notwendigerweise vollkommen ausgeführtem!) Sprachaufwand aussagen und ausdrücken. Im Gedicht lebt die Seele und nicht nur der Kopf. Das Gedicht ist meine Heimat. (2005)

Meine Haltung wurde und ist stets aus dem „Nein!“ heraus definiert. Und mein Lebensgrundsatz ist in einem einzigen Wort zusammengefaßt. Und das ist meine/die Parole: „Trotzdem!“ – Nur so bin ich der geworden, der ich bin. Und das hat mich lebendig gehalten. (2009)

Ich bin eigentlich ein „Individualanarchist“ (PPW); ich akzeptiere keine mir aufgezwungene Ordnung aufgrund von meist nicht hinterfragten, sondern nur Macht und Gewalt ausübenden und somit den Menschen schädigenden Normen. (2010)

Mein KZ-Mauthausen-Erlebnis an einem verregneten Nachmittag in den Sechzigerjahren, als ich mit dem Moped von Haslach nach Wien fuhr, plötzlich den Wegzeiger dorthin sah, hinfuhr und zwei Stunden im Regen dort allein herumgegangen bin, war auch der Auslöser für mein Schriftsteller-Werden und mein Schreiben. Sowie mich die Nazizeit und der Holocaust überhaupt wesentlich bestimmt haben, als Mensch wie als Dichter. (2013)

Wie ich zum Schreiben kam:
Auslöser für mein Schreiben und für meine Entscheidung, Schriftsteller zu werden und mich als solcher literarisch und politisch für die Fragen der Menschenrechte zu engagieren, war der Besuch des ehemaligen KZ Mauthausen im Jahre 1965, der sowohl eine tiefe innere Erschütterung in mir hervorrief als auch mich schlagartig zu jenem Entschluß führte, ,, jenen meine Stimme zu geben, die nicht mehr sprechen können, weil man sie gewaltsam zum Schweigen gebracht hat“ (P.P.Wiplinger). Mich in den Dienst des Gedenkens, des Mahnens, aber auch des Widerstandes zu stellen, war und ist nun seither mein Ziel. (2013)

Den „Linken“ war ich zu konservativ (weißes Hemd + Krawatte = Bourgeoisie!) und den etablierten „Werte-Konservativen“ war ich ob meiner Radikalität und Unangepaßtheit suspekt (linker Nestbeschmutzer). Also wurde, war und blieb ich ein Einzelgänger. Und das war auch gut so. Ich bin von meiner Linie eigentlich nie abgewichen. (2014)

Ja, dieser renommierte Franz Theodor Csokor-Preis freut mich ganz besonders, weil er mit dem Namen eines Mannes verbunden ist, der ein sehr beachtlicher und achtenswerter Mensch und Dichter gewesen ist. Der Preis gilt für das Lebenswerk sowie für eine praktizierte, charakterfeste, ja kämpferische Haltung für Menschenrechte und Humanität. (2014)

Die Literatur ist für mich eigentlich nur ein Transportmittel meiner Anliegen und meiner Befindlichkeiten. (2016)

Ich bin ein für Wahrheit und Gerechtigkeit kämpfender Mensch, der dies sowohl als Schriftsteller als auch als einfaches Mitglied der Gesellschaft umzusetzen versucht. Dies oft im Widerspruch und Widerstand zum herrschenden „Zeitgeist“. (2016)

Ich bin ein Ungläubig-Gewordener. Für mich gibt es im Zusammenhang mit Leben und Tod, vor allem mit gewaltsamen Tod (Holocaust/Krieg/Verhungern/ Flüchtlingstote) keinen tieferen Sinn des Lebens, des Leidens und des Sterbens, sondern das alles ist nur Folge katastrophaler menschlicher Verirrungen, Verblendungen oder einfach nur des Bösen im Menschen. (2017)

Alles ist meinem Lebens-Grundsatz „Trotzdem!“ (No pasaran!) geschuldet. Denn wenn ich was wirklich ganz bin, dann „ein Granitschädel und ein zacher Mühlviertler Hund“. (2018)

Ich bin kein Star, kein großer, weitum bekannter österreichischer Literat. Ich bin ein Dichter, ein Schriftsteller, ein Autor, ein Agitator, ein Mahner und Aufrüttler. (2019)

Ich habe in meinem Schriftstellerleben nie einer Clique angehört und schon gar nicht war ich ein Gefolgsmann irgendeiner Gruppierung und absolut nicht ein Kumpan aus ideologischer Verbundenheit. (2019)

Mit 70 Jahren bin ich aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten. Ich war und bin sowieso zum Agnostiker geworden. „Auschwitz“ (als Metapher für den Holocaust) ist für mich mit einem gütigen, barmherzigen, gerechten Gott nicht kompatibel; mit einem Gott, der da wegschaut, ja zuschaut, den brauche und den will ich nicht – schon gar nicht, wenn es ihn gäbe. Und damit gibt es für mich auch keine Jungfrau Maria und Muttergottes. Ich will eine Ethik ohne Gott. Vernunft und Friedfertigkeit der Menschen. Ich respektiere religiöse Menschen ohne Fanatismus. Aber diese Menschen sollen uns andere in Ruhe lassen! (2019)

Ich war ein Abenteurer. Bin immer ausgebrochen aus der familiären und klerikalen, engstirnigen und zum Teil auch herzlosen Enge meiner Umgebung. (2020)

Es gibt eine enge Verbindung, eine Lebensverbindung zwischen mir und dem Mühlviertel; aber ohne romantisch-verlogene Idyllensentimentalität. Ich bin mein Leben lang sowohl Mühlviertler wie Kosmopolit. (2023)

Ich habe viel gearbeitet, auch auf dem Gebiet der Literatur, aber ich bin kein großer Schriftsteller. Ich bin jedoch einer, der sein ganzes Leben auf verschiedenen Ebenen für den mir wichtigsten Lebenswert gekämpft hat, eben auch mit Hilfe der Literatur, nämlich für Vernunft, Aufklärung, Gerechtigkeit und Freiheit; auch für die ganz persönliche, individuelle. Und das ist nun einmal verbunden mit der Befreiung des Menschen überhaupt. All das spiegelt sich auch in meiner Literatur wider, die davon geprägt ist. Und in meinem Leben sowieso. Darüber hinaus gibt es aber auch noch andere Lebensbereiche, vielleicht solche der Intimität, der Gefühle, die ich nie gerne gezeigt habe; außer jene der Empörung, der Wut und des Zorns. Alles andere ist sozusagen nicht-öffentlich, sondern Privatangelegenheit. (2023)

Immer wieder komme ich zurück in diesen Sehnsuchts-Zwiespalt-Ort, der Haslach mein Leben lang war. Und natürlich auch und vor allem: Heimatort; was sonst! (2023)

Ich war mein Leben lang ein Ungeduldiger, ein Extremer, ein Übertreiber, ein Grenzüberschreiter etc. Aber eben auch ein Widerstand-Leister. (2023)

Es ist nämlich so, daß „man“ sich zumindest eine, wenigstens eine einzige Stimme, sozusagen als Echo, auf sein Rufen hin wünscht; daß man wenigstens einen einzigen Menschen mit dem, was man zu sagen hat und auch sagt, erreicht. (2024)

Ja, ich bin unbelehrbar! Ich glaube – sowieso bin ich ein Ungläubiger (mit Überzeugungen und Haltungen) – nicht daran, „daß einmal Schluß sein muß mit ALL DEM“. Nein, dazu haben wir kein Recht. Das zu bestimmen wäre nur Sache der Opfer; das mit dem „Verzeihen“ und Vergessen. Nein, der Stachel im Fleisch (der Gesellschaft) muß bleiben! Und er sollte wehtun. (2024)

PPW zu Literatur im Allgemeinen:

Der Schriftsteller muß für die Interessen des Menschen im Sinne der Unverletzbarkeit menschlicher Lebensgrundrechte, für Wahrheit, Gerechtigkeit, Freiheit und Würde eintreten. Sein Werk darf sich nicht von diesen ethischen Grundforderungen loslösen, er muß für die Wahrung dieser Grundrechte eintreten, als Künstler und als Mitglied der menschlichen Gesellschaft. (1991)

Schreiben bedeutet auch Zeugnis ablegen, Stellung zu beziehen, klar auszusprechen, wofür und wogegen man sich entschieden hat. (1992)

Manche sagen, der Dichter, der Schriftsteller sei – nur – der Sprache, der Literatur verpflichtet. Ich denke, daß ein Dichter, ein Schriftsteller der Sprache verpflichtet ist, das ist eine Selbstverständlichkeit und braucht nicht extra betont zu werden. Ich denke aber, daß seine Verpflichtung und Verantwortung über die Grenzen der Sprache und der Literatur hinausgehen. (2000)

Der Schriftsteller ist einer, der im Dienste der Wahrheit zu demaskieren, klarzustellen hat; der auch zur rechten Zeit das rechte Wort sagen kann und muß. (2003)

PPW zu Politik und Gesellschaft:

Es ist mir klar, daß im Bewußtsein von Auschwitz, Bergen-Belsen, Treblinka, Sobibor, Dachau, Mauthausen der bloße moralische Appell nur eine Blasphemie sein kann, wenn er nicht gleichzeitig daran gekoppelt ist, was ich als den Willen und die Verpflichtung zur Aufklärung bezeichne, die wir zu betreiben haben. (1985)

Wir müssen beizeiten Widerstand leisten, damit es nicht wieder – und dieses Mal auf der ganzen Welt – so viele Mitläufer gibt, die durch ihr Schweigen, ihre Widerspruchslosigkeit, ihren Gehorsam und ihre Gefügigkeit das gewissenlose Spiel der Mächtigen ermöglichen. Deshalb müssen wir rechtzeitig widersprechen und zum Widerspruch aufrufen. Wir müssen Verantwortung übernehmen und Antworten geben; auch auf die Frage: Was können wir tun? Wir müssen aber vor allem eines tun: entschieden und solidarisch handeln! (1985)

Der Nationalismus ist der Boden auf dem die Diktaturen wachsen. Was dann errichtet wird, ist das nur Gefängnis für den Menschen. Die Folgen sind Unterdrückung, Gewalt, Chaos und Wahnsinn. Das verrückt-tödliche „Spiel“ der Menschheitsverbrecher. (1991)

Ich habe immer befürchtet, daß der Nachfolger des Kommunismus ein Nationalismus faschistischer Prägung sein wird; mit allen Folgen, die wir kennen. (1991)

Was den Alltagsfaschismus als die Keimzelle und Basis des politischen Faschismus betrifft, muß ich sagen, daß dieser in der Gesellschaft, in bestimmten Gesellschaftsschichten und in einzelnen Menschen leider erschreckend tief verwurzelt und überall verbreitet ist; auch heute noch und vor allem in Österreich. (1997)

Nicht politische Opportunität hat Handlungsrichtlinie zu sein, sondern der Respekt vor Menschenrechten und ethischen Grundwerten. Denn der Staat ist mehr als die Summe politischen Handelns und Wollens. Er bestimmt die Lebenswirklichkeit der Menschen, die in ihm wohnen, und die seiner Bürger. (1999)

Ich respektiere den Staat, aber nur den Rechtsstaat, als Institution, als Gemeinschaftseinrichtung im Sinne einer Civil Society, weil ich für Gesetz, Recht und Ordnung – im Sinn von „geordnet“ – bin. Ich bin für Regeln, nach denen das Gemeinwohl geregelt und sichergestellt wird. Ich bin aber auch für die Freiheit, für die Freiheit des Individuums und der Gesellschaft. Ich weiß, daß es auf die Relation von Gesetz und Freiheit ankommt; dies auf der Basis von Demokratie und Verfassung. Ich weiß und ich will, daß der Staatsbürger sein Recht hat – und es bekommt – auch und vorallem gegenüber dem Staat. (2003)

Widerstand ist eine moralische Kategorie, gehört zum notwendigsten und unverzichtbaren Rüstzeug fürs Leben. Er muß verbunden sein und sich ausdrücken im Widerspruch, im öffentlichen. Das ist unsere einzige Chance und unsere einzige „Macht“. (2007)

„Schweigen bedeutet Zustimmung“. Da macht man sich mitschuldig. Also Widerspruch und Widerstand! (2009)

Die individuelle Freiheit/die Freiheit des Individuums ist für mich ein so hohes Gut, das keiner Verstaatlichung und Vergesellschaftung geopfert werden darf. Die Werte der Aufklärung müssen nicht nur das Fundament der Gesellschaft bilden, sondern von jedem Einzelnen gelebt werden. (2016)

Die sogenannte „Schweigende Mehrheit“ muß zur Sprache finden und sich artikulieren. Als Schriftsteller versuche ich, dazu meinen Beitrag zu leisten. (2016)

Toleranz ist unumgänglich notwendig, endet aber dort, wo Gleichgültigkeit beginnt oder unsere Toleranz mißbraucht wird. (2016)

Was ist das für ein Land – in dem wir leben – in dem man 70 Jahre nach dem Holocaust wieder solche Warnungen aussprechen und veröffentlichen muß, um zu warnen und Menschen vor möglichen Übergriffen zu schützen; in dem man auffordern muß, diesen Verblendeten und Radikalen aus dem Weg zu gehen; also möglichen Gewalttätern auszuweichen; und Ihnen die Straße zu überlassen, ihnen, die im Schutz von Polizei, Demokratie und Meinungsfreiheit ihre rassistischen Ansichten und Parolen öffentlich kundtun dürfen; und in dem die Falschen geschützt werden: nämlich mögliche Täter und nicht mögliche Opfer. Was ist das für ein Land, in dem wir leben. Und in dem das wieder völlig normal geworden ist. Aufwachen und dagegen auftreten, aufklären und Widerstand leisten! Bevor es wieder einmal zu spät ist. (2016)

Wichtig ist Solidarität, sind Gesinnungsgemeinschaften, die sich engagiert und effektiv gegen jede Form der Meinungsmanipulation und der Unterdrückung der freien Meinung richten. Auch wenn wir von manchen Teilen der Gesellschaft als „Gutmenschen“ und „Naivlinge“ gesehen und bezeichnet werden, so dürfen wir doch diesen „Pragmatikern“ nicht die Gestaltung und Beherrschung unserer Welt und der politischen Verhältnisse sowie der gesellschaftlichen Ordnung überlassen. (2016)

Es gibt nämlich sehr wohl die kollektive Schuld des Verschweigens, des Verdrängens, des Verharmlosens; und letztlich sogar bei manchen des Leugnens in Bezug auf den Holocaust. Und dem müssen wir entschieden entgegentreten. Und wir, die wir wissen, müssen reden! Wir müssen gegen das Vergessen(wollen) kämpfen; für das Erinnern. Das ist unser Auftrag. Und wir sind es den Millionen Opfern und jedem einzelnen Opfer lebenslang und für immer schuldig: dieses „Aufbrechen des Schweigens“! (2019)











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